Sommersemester 2024

Klimabilder 

MA-Seminar, mo 15:00-16:30 h

Die vielen Bildtypen, die für die Klimakrise Verwendung finden, stehen zwischen Komplexität und Dringlichkeit. Sie müssen verständlich sein, um viele zu erreichen, zu informieren und zu ermächtigen, und sie müssen wissenschaftliche Erkenntnisse fassen, die hochkomplex und medientechnisch nicht direkt verständlich sind. So treffen Vorläufer in der Wissenschaftsgeschichte, technologische Übersetzungsmodi und digitale Messungen im globalen Maßstab auf Populärkultur, Affektkino, massenmediale Aufbreitung sowie künstlerische Umsetzungen. Das Seminar beobachtet die verschiedenen Visualisierungen in ihren historischen und in ihren aktuellen, sich überlagernden Dimensionen.

Mit einem Gastvortrag von Esther Ruelfs, Kuratorin und Leiterin der Sammlung Fotografie und Neue Medien am MKG Hamburg, zum Ausstellungsprojekt "Mining Photography" (10.06.24).

 

Schwarz und weiß – Mediale Konstruktionen

BA-Seminar, mo 16:45-18:15 h

"Rasse" ist keine biologische Tatsache, sondern eine wirkungsmächtige Konstruktion. Wahrnehmung und Kommunikationsweisen, Wissensformen und Machtgefüge sind davon geprägt - wir sprechen von "race" oder von Rassifizierung, um diese Realität und ihre fiktionale Macht zu benennen. Diese Prozesse sind mediale. Wer wie Schwarz oder weiß, of color, migrantisch oder anders sei, ist sowohl in der Entstehung der Kategorien als auch im gegenwärtigen Umgang mit ihnen medienbestimmt. Das Seminar verfolgt an vielen Beispielen, wie effektiv, aber auch widersprüchlich sich Bildsprachen herausgebildet haben, welche Filter in Linsen und Narrativen stecken, welche 'Bilder' in Sounds stecken, in Daten und Algorithmen.

 

Dispositive und Netze – Figuren der Medientheorie 

MA-Seminar, di 11:30-13:00 h

Auf Verknüpfungen zu achten ist produktiver als nur einen Knotenpunkt, ein Gerät, ein Einzelmedium in den Blick zu nehmen - das ist die Prämisse, mit der Konzepte wie "Dispositive", Netzwerktheorie, Aktanten und Agenturen, Gefüge und Assemblagen in die Medientheorie und Medienanalyse aufgenommen wurden. Vor dem Hintergrund von Postmoderne, Dekonstruktion, Foucaults Diskurs-Begriff und den Kontrollgesellschaften, Selbsttechnologien und verteilten Regierungsformen Deleuzes und Guattaris wurden STS/Wissenschaftsforschung bzw. die ANT/Akteur-Netzwerk-Theorie auch aus medientheoretischer Sicht lesbar, und das Ineinandergreifen von Infrastrukturen und Transmissionen kam zur Einzelmedienforschung: Statt um Medien geht es um Mediatisierungen. Im Seminar lesen wir zentrale Texte zu einzelnen Begriffen mit einem Schwerpunkt auf ANT und neuere Übertragungen auf die Rolle von Medien in Gefügen - oder eher: auf Gefüge als Medien, bis in die "Qualculations" aus Einkaufswägen und Menschen, in Bildapparaturen, Geschmacksübungen oder Protokollpraktiken.

 

KI – Geschichte und Gebrauch

BA-Seminar, di 15:00-16:30 h

"Künstliche Intelligenz" ist Teil zahlreicher alltäglicher Anwendungen, ein Sammelbegriff für einzelne Programme, aber auch für ein ganzes Konzept, dessen Grundlagen ein Jahrhundert und länger zurückreichen. Im Seminar geht es um die Vorgeschichte dieser "Operationalisierung des Geistes" und die Vorstellung seiner Automatisierung, um alte und neue Imaginationen von "Denken", an die die neuen Technologien anknüpfen. Nach dem Streit um "Weapons of Math Destruction" (Cathy O'Neill), der ethische Fragen nach den Gründen für Diskriminierung durch KI aufwarf, wollte nun die Initiative Open AI einen offenen, demokratischen Zugang zu KI bereitstellen. Wie steht es um Kommerzialisierung und Kontrolle, Urheberrechte und Kreativität?

 

Critical Computing. Eine Übung zum Workshop

zusammen mit Irina Raskin

BA-Übung, di 16:45-18.15 h, wechselnde Termine, und 27./28.06.2024

Komputation – das Berechnen durch Algorithmisierung – ist die Voraussetzung dafür, dass Computernetzwerke funktionieren und Daten fließen. Aber Komputation ist auch ein Beziehungsgefüge, das mehr tut als zu klassifizieren und zu formalisieren, zu berechnen und dann abzuarbeiten. Wir sehen ihre Effekte heute in digitalen Infrastrukturen, Plattformen Sozialer Medien und Programmverbünden mit Künstlicher Intelligenz, und dort zeichnen sich asymmetrische Machtverhältnisse ab, die entlang klassierender, rassifizierender und vergeschlechtender Achsen der Ungleichheit entstehen. Wie wirken Affekte, Begehren und Fiktionen mit in den Transmissionen der soziotechnischen Gefüge? Welche extraktiven Logiken stellen den Flow erst sicher, und wie zirkuliert Ungerechtigkeit? 

Unter dem Titel der „Kritischen Komputation“ beschäftigen wir uns in der Übung mit Ansätzen aus Theorie und Praxis, die nach den Politiken von Komputation fragen und in diese forschend oder künstlerisch intervenieren. Den Abschluss der Übung bietet ein anderthalb-tägiger Workshop u.a. mit Jun.Prof. Dr. Katrin Köppert (Leipzig), Dr. Ingmar Lippert (Frankfurt am Main), Prof. Dr. Tobias Matzner (Paderborn) und der Künstlerin Cornelia Sollfrank (Berlin). Der Workshop bringt Analysen verschiedener Praktiken zusammen, die sich mit, durch und für Komputation vollziehen, und die es erlauben, „kritisch-generative“ (Helen Verran) Theorien zu entwickeln – d.h. an der (Um)Gestaltung von Beziehungen mitzuwirken, die für weniger gewalttätige Formen des Zusammenlebens und Sterbens verantwortlich sein können. In der Übung werden uns auf den Workshop vorbereiten und die Arbeiten der Beitragenden gemeinsam diskutieren.  

Termine: 09.04.2024, 23.04.24, 07.05.24, 28.05.24, 11.06.24, dazu der Workshop am 27. und 28.06.2024 (ganztägig); Abschlusssitzung am 02.07.2024.

Es empfiehlt sich, die Übung in Kombination mit dem Seminar „Counter Counting!? Zur Kritik gegenwärtiger Kulturen der Komputation“ von Irina Raskin oder auch dem Seminar „KI: Geschichte und Gebrauch“ von Prof. Dr. Ulrike Bergermann zu belegen.

  
  

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