Reihe Post_koloniale Medienwissenschaftmit freundlicher Unterstützung der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig:

Astrid Kusser, Körper in Schieflage. Tanzen im Strudel des Black Atlantic um 1900, Bd. 1, 2013

Felix Axster, Koloniales Spektakel in 9x14. Bildpostkarten im Deutschen Kaiserreich, Bd. 2, 2014

Ulrike Bergermann, Nanna Heidenreich (Hg.), total. Universalismus und Partikularismus in post_kolonialer Medientheorie, Bd. 3, 2015

Maja Figge, Deutschsein (wieder-)herstellen. Weißsein und Männlichkeit im bundesdeutschen Kino der 1950er Jahre, Bd. 4, 2015

Nanna Heidenreich, V/Erkennungsdienste, das Kino und die Perspektive der Migration, Bd. 5, 2015

Brigitta Kuster, Grenze filmen. Eine kulturwissenschaftliche Analyse audiovisueller Produktionen an den Grenzen Europas, Bd. 6, September 2017

Henriette Gunkel, "We hold this myth to be potential". The Chronopolitical Implications of an Africanist Science Fictional Intervention (working title), Bd. 7, in Vorbereitung

Band 1:

Astrid Kusser
Körper in Schieflage
Tanzen im Strudel des Black Atlantic um 1900
502 Seiten, kart., zahlr. z.T. farb. Abb., 34,80 €

Der »Cakewalk« ist von afrikanischen Sklaven auf den Plantagen der USA als Parodie des europäischen Gesellschaftstanzes entwickelt worden. Als um 1900 Schwarze wie Weiße diesen Tanz erlernen wollten, wurde eine Dynamik in Gang gesetzt, welche die politische Dimension des europäischen Gesellschaftstanzes im Strudel des Black Atlantic aktualisiert hat.
Die von der schwarzen Diaspora begonnene Polemik bewirkte, dass Konflikte um Bürgerschaft, Arbeit und Geschlechterverhältnisse auf den Tanzflächen neu entfachten. Tanztechnik verbündete sich dabei mit Medientechniken, die ebenfalls mit Bewegung, Wahrnehmung und Verwandlung experimentierten. Astrid Kusser geht dieser Dynamik zwischen New York, Buenos Aires, Kapstadt, Kamerun und Deutschland nach.

Rezensionen:

- HSozKult, 5.12.2013, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-4-186, von Philipp Dorestal:
"Kusser gelingt es, äußerst fruchtbare Anregungen aus verschiedenen Disziplinen und insbesondere neuere Forschungen zur schwarzen Diaspora aufzugreifen und kulturelle Praktiken wie das Tanzen des Cakewalk jenseits von herkömmlichen historiografischen Interpretationslinien zu lesen, sondern als eigene "Sprache des Körpers", die eine neue Form des Widerstandes und der Handlungsmacht artikuliert. Kussers Buch ist deshalb weit mehr als ein origineller Beitrag zu einer Historiografie des Tanzes. Die Autorin beweist vielmehr auf beeindruckende Weise, dass sie die umfangreiche Literatur zu Postcolonial Studies, Performativitätstheorien und Media Studies rezipiert hat und auf innovative Weise miteinander in Verbindung setzen kann. "Körper in Schieflage" verspricht deshalb nicht nur zur unverzichtbaren Referenz für all diejenigen zu werden, die sich ernsthaft wissenschaftlich mit Tanzen auseinandersetzen wollen. Auch wer sich über den neuesten Stand der Forschung in den Medienwissenschaften, insbesondere der Analyse von Postkarten, aber auch von postkolonialer und intersektionaler Geschichtsschreibung informieren will, erhält aus Kussers detailreichen und scharfsinnigen Analysen anregende Impulse zur weiteren Reflexion."

- tanznetz.de, Mai 2013, http://www.tanznetz.de/blog/25863/korper-in-schieflage, von Karin Schmidt-Feister:
"Inhaltliche und sprachliche Eloquenz geben Astrid Kussers umfangreichen Diskursen auf fast 500 Seiten eine bemerkenswerte argumentative Klarheit. Das sprachliche Ausdruckspotenzial dieser Untersuchung lotet die hochkomplexe Geschichte schwarzer Modetänze im Spannungsfeld von politischen Konflikten um Bürgerrechte als wandelbares Experimentierfeld zwischen New York, Buenos Aires, Kapstadt, Viktoria/Kamerun und Berlin aus."

- Spex, Nr. 346, Juli/August 2013, S. 89, von Pascal Jurt:
"Genealogisch gekonnt, beschreibt Kusser die 'circum-atlantische' Karriere des Cakewalks und zeigt eindrücklich, wie sich in den Performanzen unterschiedliche Subjektivierungslinien von Blackness, von Weiblichkeit und von Subproletariat kreuzen und wie eng verzahnt die Tanzmoden des 20. Jahrhunderts mit den Kämpfen um Bewegungsfreiheit waren." 
 
Deutschlandradio Kultur, "Getanzte Provokation", Tabea Grzeskyk, 28.8.13http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/2230290/
"Gestützt auf fundierte Quellenarbeit, eine umfassende wissenschaftliche Einordnung und leider nur wenige, dafür eindrucksvolle Abbildungen wie die eingangs beschriebene Postkartenserie legt Astrid Kusser die Geschichte des Cakewalks frei... Ein lesenswerter 500-Seiten-Schinken mit Potenzial zum akademischen Standardwerk!"

 

Band 2:

 

Felix Axster

Koloniales Spektakel in 9x14
Bildpostkarten im Deutschen Kaiserreich
Mai 2014, 248 S., farb. Abb., 29,80 €

Um 1900 wurde die Bildpostkarte zum Massenmedium. Ihre Beliebtheit verdankte sie insbesondere ihrem Charakter als Gegenstand des alltäglichen Gebrauchs; die meist bunten Bilder wurden beschriftet, verschickt, gesammelt und getauscht. Auch koloniale Motive zirkulierten in bis dahin ungekannten Ausmaßen und trugen wesentlich zur Etablierung und Popularisierung kolonialen Wissens sowie zur kolonialen Formierung des Alltags bei. Felix Axsters anschauliche Untersuchung beleuchtet das Verhältnis zwischen Bildpostkarten der Kolonialzeit und ihrer spezifischen Nutzung und fragt nach den Konsequenzen, die heute zu ziehen sind: Wie ist gegenwärtig mit dem historischen Bildmaterial umzugehen, das in einer Geschichte von Gewalt und Zwang wirkmächtig wurde?

Rezensionen:

- Rezension von Eva Tropper, Postkarten als Bausteine kolonialer Wissensordnungen, in: Fotogeschichte, Heft 135, 2015
"Das methodisch Inspirierende an Axsters Vorgehensweise ist, dass er nicht nur auf die vermittelten visuellen Inhalte abhebt, sondern die mediale Rahmung der Bilder und die mit ihnen verbundenen Handlungsformen stark einbezieht. [... Es geht ihm] darum, immer auch die Handlungsmacht der ins Bild gesetzten Akteure zu reflektieren. Bei hohem theoretischen Anspruch bleibt das Buch dabei sehr gut lesbar, was sich auch seiner Bauweise verdankt. (...) Axster ist es nicht nur gelungen, medienadäquate Fragen zu stellen, die den Quellenwert von Postkarten auf unterschiedlichen Ebenen ausschöpfen, sondern auch, ihre konstitutive Rolle innerhalb der kolonialen Wissensproduktion sichtbar zu machen."
 
- Rezension von auf hsozkult von Martin Kohlrausch, 27.3.2015
"Das ungemein populäre Sujet Kolonialismus liefert Erkenntnisse über die „postcard culture“, das heißt das Wechselspiel von Produktion und Rezeption, von Verbreitung und Sammeln. Gleichzeitig kann das vielfältige Medium Postkarten viel dazu beitragen, die Veralltäglichung des Kolonialismus besser zu erfassen. (...) In der Einleitung beschreibt Axster selbst die Annahme einer zentralen Steuerung des Kolonialen Diskurses überzeugend als ungenügend. Die Dynamik der hier beschriebenen Visualisierung der Kolonien entstamme, wie der Band gut zeigt, eben der Vermischung von Kommerz und Politik, Unterhaltung und Kolonialpropaganda."
 

- Rezension von Henriette Bornkamm, in: MEDIENwissenschaft 2/2015, 44-46

- Rezension von Joachim Zeller, 2015: http://www.freiburg-postkolonial.de/pdf/2015_Rezension_Axster_Koloniales_Spektakel_Bildpostkarten.pdf
"Axster hat eine lesenswerte Studie über das Medium der kolonialen Bildpostkarte und die Inszenierung der Kolonialherrschaft als massenkulturelles Spektakel vorgelegt. Dies ist nicht zuletzt deshalb verdienstvoll, weil Postkarten von der Geschichtswissenschaft, aber auch der Kunst- und Kulturgeschichte bis dato eher nachlässig behandelt wurden. Während ihnen als Produkt einer Massenkultur der Charakter des Banalen und Trivialen anhaftete, richtete sich das Interesse vorzugsweise auf die „Hochkultur“. Das Buch, das in den größeren Kontext der postcolonial studies gehört, ist eine Bereicherung für die weitere wissenschaftliche Aufarbeitung des Phänomens des visuellen Kolonialismus."

 

Band 3:
Ulrike Bergermann, Nanna Heidenreich (Hg.)
total. Universalismus und Partikularismus in post_kolonialer Medientheorie
Januar 2015, 355 S.


Haben mediale Wissensformen des globalen Nordens die Welt mit ihren Einheitsrastern überzogen? Welche Universalismen transportieren sie? Eigenheiten und Partikulares artikulieren sich auch in globalisierten Formaten. Deren Selbstverständlichkeiten stehen nun zur Debatte. Denn der europäische Kolonialismus hat sich nicht nur an einer vermeintlichen Peripherie abgespielt, sondern wurde in wissenschaftlichen und kulturellen Debatten in Europa entworfen. Die Aufklärung dachte nicht alle Menschen gleich – sie ist ein zu dezentrierendes Erbe im post_kolonialen Zeitalter auch für die Medienwissenschaft. Der Band untersucht Denkmuster von Universalismen und Partikularität in globalen Bildern und Tönen.

Mit Beiträgen von Erhard Schüttpelz, Sven Werkmeister, Rey Chow, Leander Scholz, Paul Bowman, Ruth Mayer, Elahe Hashemi Yekani, Henriette Gunkel, Johannes Ismaiel-Wendt, Florian Krautkrämer, Maja Figge, Nele Rein, Candice Breitz, Christian Kravagna, Michaela Ott, Susanne Leeb, Susan Kamel, Maurice Takor Pülm und Lucas Koczor, Ulfried Reichardt, Dipesh Chakrabarty

Band 4:

Maja Figge
Deutschsein (wieder-)herstellen
Weißsein und Männlichkeit im bundesdeutschen Kino der 1950er Jahre
Mai 2015, 420 Seiten, kart., zahlr. Abb., ISBN 978-3-8376-2538-7, 37,99 € 

Was konnte nach dem Ende des Nationalsozialismus deutsch sein? Wie antwortete die frühe Bundesrepublik auf die ‚Krise der Männlichkeit’, und welchen Anteil hatte Weißsein daran? Wie überlagerten sich schließlich die postnationalsozialistische und die postkoloniale Situation?
In den fünfziger Jahren war das bundesdeutsche Kino nicht einfach restaurativ und eskapistisch, sondern zentraler Ort dieser Aushandlungen. Deren rassistische und sexualisierte Auslassungen, Verschiebungen und Umdeutungen grundieren die nationalen Selbstentwürfe bis heute.

Rezension von Florian Fuchs in MEDIENWISSENSCHAFTRezensionen 2/2016: http://archiv.ub.uni-marburg.de/ep/0002/article/view/4988/4850
 

Band 5:

Nanna Heidenreich
V/Erkennungsdienste, das Kino und die Perspektive der Migration
Juli 2015, ca. 320 Seiten, kart., zahlr. Abb., ISBN 978-3-8376-2575-2, 26,99 Euro

Migration wurde in Deutschland bis vor kurzem als voraussetzunglos verhandelt. Nanna Heidenreich setzt dem die geschichtsbildende Kraft und die Welthaltigkeit von Film entgegen. Sie zeigt: Die juristische Kategorie des »Ausländers« wird zwar hartnäckig als soziale missverstanden, aber das Kino inszeniert nicht einfach die V/Erkennungsdienste des deutschen Ausländerdiskurses. Es zeigt andere Verhandlungen von Geschichte und Geschichten, Genealogien und Geschlecht, Bilderstreiten, Transparenz und Schleier, Säkularisierung, Blut, Sex und Haut – und die stete Neuformatierung durch die Perspektive der Migration.

Reviews: Prinzler-Blog
MedienwissenschaftRezensionen (Nr. 1/2017)

Band 6:

Brigitta Kuster
Grenze filmen. Eine kulturwissenschaftliche Analyse audiovisueller Produktionen an den Grenzen Europas
September 2017

Welchen Beitrag können filmische Praxen und Erzeugnisse zur Reproduktion von Migrations- und Grenzregimes leisten?
Ausgehend von der Annahme, dass audiovisuelle Umgebungen die Bewegungen der Migration sowohl informieren als auch formieren, analysiert Brigitta Kuster Filmklassiker ebenso wie (künstlerische) Dokumentarfilme, die meist illegale Grenzpassagen nach Europa reflektieren. Hierbei berücksichtigt sie in ihrer Studie auch das filmische Archiv rund um den durch den Film »Terminal« bekannt gewordenen Fall des Mehran Karimi Nasseri, der beinahe zwei Jahrzehnte lang auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle lebte, sowie die popkulturellen und YouTube-Umgebungen der Harraga.

 

Band 7, in Vorbereitung:

Henriette Gunkel, "We hold this myth to be potential". The Chronopolitical Implications of an Africanist Science Fictional Intervention (Arbeitstitel)

 

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Zur Reihe "Post_koloniale Medienwissenschaft":

"Post_koloniale Medienwissenschaft" fragt nach den post_kolonialen Bedingungen und Charakteristika der Medienwissenschaft. Darin geht es um mediale Darstellungspraxen *von* Themen der Kolonialgeschichte und ihren anhaltenden Realitäten, es geht um Medien *in* kolonialen und postkolonialen Räumen, und es geht um Medien *als* Wegbereiter, Instrumente und Agenten der entsprechenden Wissenszirkulation. Es geht darüberhinaus und grundsätzlicher um die Verwobenheit der Epistemologien des globalen Nordens mit einer Geschichte des Otherings und der Ausbeutung. Post_koloniale Medientheorie untersucht Möglichkeitsbedingungen von Darstellung, die sich nur in Bezug auf ein Anderes, auf den/die Anderen herausgebildet haben. Denn mediale Normalisierungen von Weißsein, Zivilisiertheit und Rationalität sprechen technisch und diskursiv mit in den gegenwärtigen Fassungen von Authentizität, Wahrheit, Moral und Moderne. "Post_" verweist dabei nicht auf ein "danach", sondern auf Ungleichzeitigkeiten in den hierarchisierten globalen Verbindungen. Die Reihe umfasst daher Studien zu Verschränkungen von Ästhetiken und Kulturgeschichte, von Medialität und Globalisierung, von intersektionalen Fassungen von race, class, gender oder von Anerkennung und Alterität im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit. Futuristische und gegenwärtige Möglichkeitsräume, filmische/künstlerische Entwürfe, ethnografische Bilder und Dinge treten in ihren media scapes dazu. Die Postcolonial Studies selbst arbeiten mit Medienkonzepten, reflektieren visuelle und akustische Anrufungen, dezentrierende Topographien, Konnektivität und Grenzen, Schwarzes Kino, Schleier und double consciousness. Die Welt als imagined community ist eine der Vermittlung.   

Ulrike Bergermann

 

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