Zur Reihe "Post_koloniale Medienwissenschaft"
Postkoloniale Medienwissenschaft: das klingt wie eine definierte oder definierbare Ausdifferenzierung einer Disziplin, wie ein adjektivisch bestimmbares Unterfeld der Medienwissenschaft mehr, und selbst die übliche Doppelung - Medienwissenschaft des Postkolonialen / Medienwissenschaft als postkoloniale -, oft anderenorts durchdekliniert, scheint auf der Hand zu liegen. Die Reihe will allerdings keine solche, und sei es doppelt bestimmte, Theorie-Ecke explizieren, sondern in umgekehrter Richtung oder besser ohne nur eine Richtung Platz schaffen für eine in Motiven wie Methodiken heterogene Folge von Studien zu Verschränkungen von Ästhetiken und Kulturgeschichte, von Medialität und Globalisierung, singulären und gemeinsamen Wissensformen, die je im Einzelnen nachzeichnen lassen, wie ein 'Wissen von der Welt' sich als post_koloniales herausgebildet hat.
Denn mit der Silbe 'post' sind wir nicht nur nicht in einem 'danach' angekommen, sondern die Frage nach der Medialität problematisiert immer schon die Vorgängigkeiten von Darstellungsordnungen. Post_koloniale Medientheorie umfasst daher vielleicht Analysen von Einzelmedien in kolonialen und postkolonialen Gesellschaften, aber in erster Linie die Untersuchung der Möglichkeitsbedingungen von Darstellung, die sich nur in Bezug auf ein Anderes, auf den/die Anderen herausgebildet haben. Gibt es nicht Hegel ohne Haiti, so gibt es keine Medientheorie ohne Übersetzung.
Die Reihe ist offen für Themen wie: - Die Eigenheiten von Sprache, Schrift, Bildern: Repräsentation und Subalternes, - race class gender und Whiteness Studies: Medialität und Rassismus, - Raum, Karte und Globus: Bilder von der Welt, - Gegen(einander)lesen: Klassiker aus Postcolonial Studies und Medientheorie, oder auch Themen wie: Anerkennung und Alterität im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit. Dabei durchquert die Reihe verschiedene Einzelmedien. Sie startet mit drei Bänden zu Kino, Tanz und Bildpostkarten - oder auch: mit einer Diskursanalyse zum filmischen Migrations- und Ausländerdiskurs, mit einer anderen Geschichte des Black Atlantic und unvorhergesehenen Körpertechniken, mit der Zirkulation von kolonialem Wissen im postalischen Alltagsmedium und im Archiv. Die Welt als imagined community ist eine der Vermittlung.
Ulrike Bergermann
Die Reihe startet 2012 im Transcript Verlag, die ersten AutorInnen sind: Astrid Kusser, Nanna Heidenreich, Felix Axster. Mit freundlicher Unterstützung der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.
http://www.transcript-verlag.de/ts2060/ts2060.php
Astrid KusserKörper in SchieflageTanzen im Strudel des Black Atlantic um 1900
Schief, schräg und unvorhersehbar waren die Bewegungen schwarzer Modetänze, die um 1900 den europäischen Gesellschaftstanz herausforderten und die politische Dimension des Tanzens jenseits nationaler und kolonialer Kulturen aktualisierten. |
Band zwei:
Felix Axster, Koloniales Spektakel in 9 x 14. Bildpostkarten im Deutschen Kaiserreich
Herbst 2012
